Kunst am Bau

Kunst ist Bauen

Das neue Kantonsspital Uri steht als Bauwerk im Auftrag des Kantons Uri in besonderer Weise im Blickfeld der Öffentlichkeit. Ihm kommen eine baukulturelle Verantwortung und eine Vorbildfunktion zu. Es ist sowohl architektonisch als auch kulturell ein Meilenstein in der Urner Gesundheitsgeschichte. Das neue Kantonsspital widerspiegelt das kulturelle Verständnis unseres Kantons und ist dadurch eine nationale Visitenkarte. Kunst am Bau ist ein Element der Baukultur, das die Qualität und Ausdruckskraft von Bauten mitprägt. Somit ist die Kunst integraler Bestandteil der Bauaufgabe und der öffentlichen Bauherrenverantwortung. Drei Kunstschaffende haben diesen Auftrag, in einem Wettbewerb juriert, im Innen- und Aussenraum überzeugend umgesetzt.

Rochus Lussi, Stans

Körperheimat

Rochus Lussi beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Haut, mit der Membrane, die jeden Körper umgibt. Die riesige Urner Berglandschaft, die menschliche Haut oder das Tierfell kann durchlässige Grenze, Kommunikations- und Sinnesorgan sein. Diese Oberfläche bietet Schutz, ist sensibel und verletzbar. Je nach Fokus wird der Wüstenboden zur Menschenhaut oder das Tuch zur Topografie einer Schneelandschaft. So sind wir Menschen unweigerlich von jedem dieser sieben Flächen betroffen. Die monumentalen Reliefs schafft der Künstler mit Kettensäge und Trennscheibe in Lindenholz. Auf jedem Stockwerk sind Haut­landschaften als berührbare und erlebbare Wand­elemente platziert.

Die monumentale, bildhauerische Idee verbindet im weitesten Sinn Haut, Körper und Heimat zu einem Sinneszusammenhang, Rochus Lussi wandelt das Oberflächliche mit seinen Werken zu einer eindrücklichen «Körperheimat».

Annemarie Oechslin, Zürich

C-130821

Die Urner Künstlerin Annemarie Oechslin schickt Betrachterinnen und Betrachter entlang des vom Landschaftsarchitekten vorgegebenen Weges auf eine Entdeckungsreise. Zu entdecken sind in Betonplatten eingelassene Messingzeichnungen. Die linearen Zeichnungen zeigen Alltagsgegenstände wie Löffel oder Hocker, aber auch Kristall, Ziegenhörner oder Trommel, die uns aus der Urner Umgebung bekannt sind. Diese einfachen Gegenstände lassen bewusst Raum für Assoziationen.

Die Arbeit, die sich erst auf den zweiten Blick beim Spazieren durch den Spitalpark erschliesst, verändert sich mit Witterungs- und Lichtverhältnissen, aber auch über eine längere Dauer durch Oxydation und Alterung – die Platten werden sich mehr und mehr dem Park anpassen. Die Entdeckungsreise ist für die Patientinnen und Patienten, aber auch Besucherinnen und Besucher des Parks bestimmt.

Markus Kummer, Zürich

Atmos

Markus Kummer richtet seinen künstlerischen Blick auf den Kanton Uri: Aus allen 20 Gemeinden wurde ein Findling zusammen mit dem Urner Geologen Peter Amacher ausgewählt und in enger Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten in die Gestaltung des Spitalparks integriert. Jeder Findling, in einen Betonblock eingegossen, wurde mittig durchsägt. Durch das Zersägen wird das über Jahrtausende gestaltete Innenleben des Steins sichtbar. Schliesslich ergaben sich 40 Hälften. Die Kuben werden vom Park aus als Skulpturen, vom Spitalbau aus als visuell reizvolle Flächenbilder erlebt.

Markus Kummer spielt mit seinem Werk zwischen angewandter und freier Kunst, zwischen Gebrauchsgegenstand, Sockel und Kunstwerk.